Islamische Republik Iran: Wer sind die geopolitischen Profiteure eines potentiellen Regime Change?

März 2025 / 12 Min. Lesezeit / PDF
Teheran, September 2022
„Frauen, Leben, Freiheit!“
زن، زندگی، آزادی
Zan, Zendegi, Azadi

Auf den Straßen der iranischen Hauptstadt skandieren Tausende im Chor: Junge Frauen reißen sich demonstrativ die Kopftücher vom Kopf, während brennende Barrikaden die Nacht erhellen. Der Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam hat landesweite Proteste entfacht.

Die Wut richtet sich längst nicht mehr nur gegen die Sittenpolizei, sondern gegen das gesamte System der Islamischen Republik. „Tod dem Diktator!“ rufen die Massen und reißen Bilder des Obersten Führers Ali Chamenei von den Wänden.1 Es ist eine Atmosphäre, die an Revolution erinnert - viele Beobachter im Westen wähnten bereits den endgültigen Sturz des Mullah-Regimes. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einer „Revolution“, die im Iran im Gange sei. Die exil-iranische Opposition und manche Medien hofften, die vier Jahrzehnte alte Theokratie stehe vor dem Kollaps.

Demonstration zur Unterstützung der Proteste im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini
Abb. 1: Demonstration zur Unterstützung der Proteste im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini; Teilnehmende halten Transparente mit der Parole „Women, Life, Freedom“ hoch (2022)

Doch der erwartete Umsturz blieb aus. Trotz der enormen Protestwelle und weltweiter Solidaritätsbekundungen konnte sich das Regime an der Macht halten. Warum? Die Antwort zeigt sich in den Straßen von Teheran in jenen Wochen: Das Regime reagierte mit seiner bewährten Mischung aus Propaganda und brachialer Repression. Das Internet und Mobilfunknetz wurden abgeschaltet, um die Kommunikation der Demonstrierenden zu stören. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas, Schlagstöcken und Schusswaffen gegen Protestierende vor. Hunderte Menschen - darunter viele Jugendliche - wurden getötet, über 18.000 verhaftet. Einschüchterung und Gewalt zeigten Wirkung: Eine Führungsfigur oder organisierte Opposition, die die Wut der Straße hätte bündeln können, existierte nicht.

Die Spannungen zwischen Bevölkerung und Staat sind jedoch seither allgegenwärtig. Schon mehrfach in ihrer jüngeren Geschichte hat die Nation dramatische Umbrüche erlebt - diese erfolgten aber stets unter spezifischen Umständen.

Historische Regimewechsel im Iran

01

1921-1925: Militärputsch und Aufstieg der Pahlavi-Dynastie

Ein Militärputsch bringt Reza Khan an die Macht. Mit britischer Rückendeckung putscht er 1921 gegen die geschwächte Kadschar-Dynastie und übernimmt die Kontrolle über das Militär. 1925 setzt er den letzten Schah der Kadscharen ab und krönt sich selbst zum Schah Reza Pahlavi. Er modernisiert Iran im Eiltempo und baut einen zentralisierten Staat auf - allerdings um den Preis autoritärer Herrschaft: Oppositionelle werden unterdrückt, Presse und Parteien verboten.

02

1953: Operation Ajax - der CIA-Putsch gegen Mossadegh

Der demokratisch gewählte Premier Mohammad Mossadegh nationalisiert 1951 die Ölindustrie, was Großbritannien und die USA alarmiert. Im August 1953 inszenieren CIA und MI6 unter dem Codenamen „Operation Ajax“ einen Staatsstreich, der Mossadegh stürzt. Schah Mohammad Reza Pahlavi kehrt an die Macht zurück und errichtet mithilfe des gefürchteten Geheimdienstes SAVAK eine noch repressivere Monarchie. Der Putsch prägt das iranische Bewusstsein bis heute und schürt tiefes Misstrauen gegenüber westlicher Einmischung.

03

1979: Die Islamische Revolution

Unter Führung des schiitischen Geistlichen Ayatollah Ruhollah Chomeini verbündet sich eine breite revolutionäre Bewegung - von Islamisten bis Marxisten - gegen den autokratischen Schah. Am 11. Februar 1979 kapituliert das Militär, der Schah ist bereits geflohen. Chomeini ruft die Islamische Republik Iran aus - einen Gottesstaat (Theokratie) auf Grundlage der schiitischen Rechtslehre. Die neue Verfassung institutionalisiert die Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten (Wilayat-e Faqih) und unterwirft alle Staatsgewalten der islamischen Gesetzgebung (Scharia).

Demonstrierende Menschenmenge während der Islamischen Revolution im Iran (1979)
Abb. 2: Demonstrierende Menschenmenge während der Islamischen Revolution im Iran (1979), mit einem Plakat von Ajatollah Ruhollah Chomeini.

Diese historischen Umbrüche zeigen: Regimewechsel in Iran waren entweder von inneren Machtakteuren getragen (1921, 1979) oder durch äußere Intervention beeinflusst (1953). Jeder Fall hatte besondere Voraussetzungen - sei es die Unterstützung des Militärs, ausländische Einmischung oder eine landesweite Massenbewegung unter charismatischer Führung.

Politisches System und Schutzmechanismen des aktuellen Regimes

Die Islamische Republik Iran besitzt ein komplexes Machtgefüge, das darauf ausgelegt ist, Regimewechsel von innen oder außen zu verhindern. Im Zentrum steht eine theokratische Herrschaftsstruktur, in der gewählte Institutionen einem Geflecht aus religiösen Autoritäten, Revolutionsgarden und Aufsichtsorganen untergeordnet sind. Checks and Balances existieren primär dazu, revolutionstreue Kontrolle sicherzustellen. Im Folgenden werden die wichtigsten Säulen der Macht und ihre Funktionen beleuchtet:

Das politische System im Iran

Nicht gewählte Institutionen Gewählte Institutionen
Oberster Führer
Ali Hosseini Khamenei
Oberster Führer (Rahbar)

Vereint die höchste politische und religiöse Autorität. Kontrolliert Militär, Justiz und Medien direkt. Legitimiert sich durch das Prinzip des Velayat-e Faqih (Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten). Ernennt oder bestätigt alle Schlüsselpositionen.

Ernennt und/oder kontrolliert
Streitkräfte
Streitkräfte & IRGC

Revolutionsgarden (IRGC) sind die zentrale Machtstütze mit eigenen Streitkräften und erheblichen wirtschaftlichen Ressourcen. Direkt Khamenei unterstellt. Kontrollieren große Teile der Wirtschaft - Öl, Gas, Handel.

Schlichtungsrat
Schlichtungsrat

Vermittelt bei Konflikten zwischen Parlament und Wächterrat. Berät den Obersten Führer in strategischen Fragen. Mitglieder werden direkt von Khamenei ernannt.

Wächterrat
6 Geistliche
+ 6 Juristen
Wächterrat (Shoray-e Negahban)

Kontrolliert jede Kandidatur und Gesetzgebung nach ideologischer Linientreue. 6 Geistliche werden vom Obersten Führer ernannt, 6 Juristen vom Justizobersten vorgeschlagen. Wählt aus und überprüft alle Kandidaten vor Wahlen.

Oberhaupt des Justizsystems
Justiz

Oberhaupt wird direkt vom Obersten Führer ernannt. Kontrolliert Gerichte, Staatsanwaltschaft und Strafvollzug. Schlägt die 6 Juristen des Wächterrats vor.

Nationaler Sicherheitsrat
Nationaler Sicherheitsrat

Koordiniert Verteidigungs-, Geheimdienst- und Außenpolitik. Entscheidungen müssen vom Obersten Führer bestätigt werden. Schlüsselrolle in Atomprogramm und Regionalpolitik.

Schlichtungsrat vermittelt zwischen Parlament & Wächterrat → ← Justiz schlägt 6 Juristen für Wächterrat vor
Wählt aus & überprüft Kandidaten
Präsident
+ Kabinett
4 Jahre
Präsident

Leitet die Exekutive, aber alle wesentlichen Entscheidungen unterliegen dem Obersten Führer. Kandidaten müssen vom Wächterrat genehmigt werden. Wahl alle 4 Jahre durch das Volk.

Parlament
Majles
4 Jahre
Parlament (Majles)

290 Abgeordnete, vom Volk gewählt. Alle Kandidaten werden vorab vom Wächterrat auf ideologische Linientreue geprüft. Gesetze können vom Wächterrat blockiert werden.

Expertenrat
8 Jahre
Expertenrat

88 Geistliche, vom Volk gewählt. Einziges Organ mit formaler Befugnis, den Obersten Führer zu wählen, zu überwachen und theoretisch abzusetzen. In der Praxis loyale Bestätigung.

wählt alle:
Volk
(wählt vom Wächterrat ausgewählte Kandidaten)

Oberster Führer - uneingeschränkte Kontrolle über Staat und Kirche

Der Oberste Führer (Rahbar), aktuell Ali Hosseini Khamenei, vereint die höchste politische und religiöse Autorität des Landes und herrscht faktisch absolut. Er kontrolliert Militär, Justiz und Medien direkt und legitimiert sich ideologisch durch das Prinzip des Velayat-e Faqih (Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten). Diese umfassende personelle Kontrolle verhindert effektiv interne Machtwechsel, und selbst sein Tod würde kaum ein Vakuum schaffen, da der Expertenrat für einen nahtlosen Übergang sorgt.2

Medienmonopol, Propaganda und permanente Überwachung prägen den Alltag. Geheimdienste (MOIS, IRGC) setzen moderne Technologien zur Überwachung ein, während Polizei und Milizen regimekritische Stimmen brutal verfolgen. Einschüchterung durch öffentliche Strafen wie Haft und Hinrichtungen festigt das System der Angst und verhindert wirksam kollektiven Widerstand.6

Drei Szenarien für Irans Zukunft

01

Interner Machtwechsel

Reformen oder Palastputsch + Kapitel öffnen

Ein interner Wandel könnte vor allem durch die anstehende Nachfolge des 84-jährigen Revolutionsführers Ayatollah Ali Khamenei ausgelöst werden. Die wahrscheinlichste Entwicklung nach Khameneis Tod ist die Machtübernahme eines Hardliners aus dem engsten Kreis - etwa Präsident Ebrahim Raisi oder Khameneis Sohn Mojtaba. Dieser würde Khameneis weltanschauliche Linie fortführen und möglicherweise sogar eine noch konfrontativere Haltung gegenüber dem Westen einnehmen.

Tiefgreifende Reformen erscheinen wenig wahrscheinlich, da sich bislang alle führenden Regimeakteure - ob Hardliner oder „Reformer“ - letztlich dem Fortbestand der Islamischen Republik verpflichtet fühlen. Ein „Palastputsch“ in Form eines Machtgriffs der Revolutionsgarden (IRGC) ist ein oft diskutiertes Szenario, vor allem im Zuge einer Nachfolgekrise. Allerdings ist die IRGC darauf ausgerichtet, das theokratische System zu schützen, nicht es zu stürzen.

Profiteure bei internem Machtwechsel

Im Iran (Reformfall)

Bevölkerung profitiert vom Abbau der Repression und wirtschaftlicher Erholung durch Sanktionslockerungen. Gemäßigte politische Strömungen würden gestärkt.

Im Iran (Hardliner)

Sicherheitsapparate und konservativer Klerus sichern oder bauen ihre Position aus. Die IRGC würde ihre wirtschaftliche und politische Macht endgültig zementieren.

Westen (Reformfall)

Europa und die USA profitieren von Rückkehr Irans ins Nuklearabkommen und Handel. Israel und Saudi-Arabien hätten weniger Anlass zu Konfrontation.

Russland / China

Bevorzugen Hardliner-Nachfolger - sie behielten einen anti-westlichen Verbündeten. Ein pro-westlicher Wandel würde ihren Einfluss schmälern.

Ökonomische Folgen

4.
Größte Ölreserven weltweit7
2.
Größte Gasreserven weltweit
+1-2
Mio. Barrel/Tag zusätzlich bei Sanktionsaufhebung

Im Reformfall dürfte Iran versuchen, Sanktionen loszuwerden - etwa durch einen neuen Atomdeal - um die marode Wirtschaft anzukurbeln. Eine Wiederintegration Irans in den Öl- und Gasmarkt wäre ein Game-Changer. Bei Aufhebung der Sanktionen könnte Iran binnen Monaten seine Ölexporte massiv steigern. Dies würde das globale Angebot erhöhen und den Preisdruck senken.

Im Hardliner-Fall hingegen bliebe Iran unter Sanktionen und weitgehend vom offiziellen Weltmarkt ausgeschlossen. Eine verstärkte IRGC-Wirtschaftsherrschaft könnte die Ineffizienz erhöhen und Investoren abschrecken.

02

Volksaufstand

Sturz des Regimes + Kapitel öffnen

Landesweite Volksproteste erschüttern den Iran in den letzten Jahren immer wieder (2009, 2017/18, 2019, 2022). Bisher konnte das Regime jedoch alle Erhebungen niederschlagen. Die Wahrscheinlichkeit eines vollständig erfolgreichen Volksaufstands wird derzeit als relativ gering eingeschätzt.

Schätzungsweise 20-30 % der Bevölkerung (Basarhändler, Beamte, Revolutionswächter, ihre Familien u.a.) sind direkt vom Regime abhängig und fürchten Chaos im Falle eines Umsturzes.8 Diese Schicht stellt sich bislang nicht gegen die Führung - im Gegenteil, sie trägt die Repression mit.

Voraussetzungen für einen erfolgreichen Aufstand

Voraussetzung 1

Schulterschluss verschiedener sozialer Gruppen - bisher protestieren oft regional oder klassenspezifisch getrennte Gruppen ohne vereinte Front.

Voraussetzung 2

Ausstände in Schlüsselindustrien (z.B. ein Öl-Arbeiter-Streik), um wirtschaftlichen Druck aufzubauen.

Voraussetzung 3

Risse in den Sicherheitsapparaten: Wenn Teile von Polizei, Militär oder IRGC sich weigern, auf die eigene Bevölkerung zu schießen.

Profiteure eines Regimesturzes

Iranische Bevölkerung

Politische Freiheiten, soziale Lockerungen und wirtschaftliche Öffnung. Besonders Frauen, Minderheiten und junge Menschen erhoffen sich Emanzipation.

USA / Israel

Strategisch die größten Gewinner. Irans Proxy-Netzwerk wäre ausgeschaltet. Ein demokratischer Iran könnte sich dem Westen annähern.

Saudi-Arabien / Golf

Würden einen Rivalen los, der ihren Einfluss begrenzt hat. Riad könnte im Kampf um Vorherrschaft in der islamischen Welt profitieren.

Russland / China

Erhebliche Verluste bei pro-westlicher Wende. Würden alle Hebel nutzen, um Einfluss im Nach-Iran zu behalten.

Risiken der Fragmentierung

Das größte Risiko eines abrupten Regimekollapses ist die Fragmentierung des Landes. Iran ist ethnisch, religiös und politisch heterogen; ein starker Zentralstaat hielt diese Vielfalt bisher zusammen. Fällt die zentrale Autorität weg, drohen Machtkampf zwischen verschiedenen Gruppen. Ein Worst-Case-Szenario wäre ein Zustand ähnlich Libyen oder Syrien.

Ethnische Bruchlinien

Kurden im Nordwesten, Belutschen im Südosten, Araber in der ölreichen Provinz Khuzestan könnten Autonomie anstreben.

Konfessionelle Konflikte

Schiitische Hardliner oder Pasdaran könnten eine theokratische Bastion halten und einen Guerillakrieg beginnen.

Säkulare Spaltung

Monarchisten vs. Republikaner, Linke vs. Liberale - die innere Uneinigkeit könnte einen geordneten Übergang verhindern.

Externe Einmischung

Türkei, Saudi-Arabien, Russland und China könnten jeweilige Stellvertreter unterstützen und den Konflikt verlängern.

03

Externe Intervention

Militärschlag oder Destabilisierung + Kapitel öffnen

Ein von außen herbeigeführter Regimewechsel kann verschiedene Formen annehmen - von gezielter Destabilisierung (Geheimdienstaktionen, Cyberangriffe, Unterstützung von Opposition) bis hin zu offener militärischer Intervention. Die Wahrscheinlichkeit einer großangelegten Invasion nach Art des Irakkriegs 2003 ist heute sehr gering.

Allerdings ist eine begrenzte Militäraktion nicht auszuschließen, insbesondere von Seiten Israels. Israel sieht ein nuklear bewaffnetes Iran als existenzielle Bedrohung und hat mehrfach klargemacht, notfalls präventiv iranische Atomanlagen anzugreifen. Sollte die Diplomatie endgültig scheitern und Iran kurz vor der Nuklearwaffe stehen, könnte ein israelischer Militärschlag erfolgen.

Reaktion des Iran: Stellvertreterkriege

Sollte es zu einer militärischen Intervention kommen, würde Iran voraussichtlich mit einer Mischung aus direkter Verteidigung und indirekter Vergeltung antworten. Ein sehr wahrscheinliches Szenario ist die Öffnung mehrerer Stellvertreter-Fronten:

Hisbollah

Die libanesische Hisbollah könnte in einen Krieg gegen Israel eintreten und von Norden her mit tausenden Raketen angreifen.

Irak

Schiitische Milizen könnten US-Truppen attackieren und die grüne Zone in Bagdad bedrohen.

Jemen / Huthis

Verstärkte Raketen- und Drohnenangriffe auf Ziele in Saudi-Arabien und den VAE - plus Gefährdung der internationalen Schifffahrt im Roten Meer.

Straße von Hormuz

Iran könnte versuchen, die Meerenge zu sperren oder Tanker und Kriegsschiffe anzugreifen, um den Ölfluss zu stoppen.

Folgen für den globalen Ölmarkt

~20%
Des weltweiten Ölangebots fließt durch die Straße von Hormuz9
70%
Der Hormuz-Öltransporte gehen nach Asien11

Kaum ein anderes Krisenszenario würde den Energiemarkt so unmittelbar treffen wie ein Krieg am Persischen Golf. Selbst die Ankündigung oder Gefahr einer Sperrung der Straße von Hormuz lässt Ölpreise steigen. Experten schätzen, dass bereits ein gezielter israelischer Schlag gegen iranische Ölterminals über eine Million Barrel pro Tag Angebotsausfall verursachen könnte.10

Würde Iran als Vergeltung Tanker beschädigen oder den Hormuz-Verkehr lahmlegen, könnten kurzfristig mehrere Millionen Barrel täglich vom Markt fehlen. Ölpreise könnten auf 200-300 $ pro Barrel schießen, was global Inflation anheizen und Wachstum abwürgen würde.12

Geopolitische Auswirkungen

NATO

Keine kollektive Kriegserklärung, aber Bündnispartner würden vor einer Zerreißprobe stehen. Türkei als Nachbar Irans in besonderer Rolle.

Israel / USA

Pro-Intervention. Israel könnte den Militärschlag initiieren. Kurzfristiger Gewinn, aber Langzeitrisiko eines destabilisierten Iran.

Russland / China

Würden Intervention entschieden ablehnen. Russland könnte Iran mit Flugabwehrsystemen helfen. China würde versuchen, Iran finanziell zu stützen.

Saudi-Arabien / Golf

Heimlich erleichtert, aber während des Konflikts selbst im Fadenkreuz iranischer Vergeltung - insbesondere gegen Öl-Anlagen.

Fazit

Die drei Szenarien unterscheiden sich vor allem darin, wer den Wandel initiiert (interne Elite vs. Volk vs. Ausland) und wie abrupt er erfolgt. Szenario 1 setzt auf graduelle Veränderung innerhalb des bestehenden Rahmens - es wäre die kontrollierteste Variante. Szenario 2 wäre ein radikaler Bruch von unten, unkontrollierbar und mit ungewissem Ausgang - die größte Unbekannte, die jedoch einen echten Systemwechsel brächte. Szenario 3 käme von außen und birgt die höchsten geopolitischen Risiken.

Strukturell betrachtet sprechen die derzeitigen Kräfteverhältnisse dafür, dass Szenario 1 (interner Wandel) mittelfristig am wahrscheinlichsten ist. Das Regime hat bewiesen, dass es äußerst anpassungsfähig und resilient ist - lieber passt es sich taktisch an als vollständig zu weichen. Die herrschenden Eliten - besonders die Revolutionsgarden - haben ein vitales Interesse daran, das System zu erhalten.

Der Ruf nach „Frau, Leben, Freiheit“ verhallt nicht - er wirkt als steter Antrieb für Veränderung von innen.

Für die iranische Bevölkerung bedeutet dies ambivalente Perspektiven. Ein plötzlicher Befreiungsschlag ist zwar unwahrscheinlich, aber die Geschichte Irans lehrt, dass Wandel manchmal unverhofft kommt - und wenn die Stunde schlägt, werden diejenigen, die heute für ihre Rechte einstehen, bereit sein, die Zukunft ihres Landes neu zu gestalten.

Quellenverzeichnis

  1. Frau, Leben, Freiheit - Wikipedia
  2. Background: Role of the Supreme Leader | UANI
  3. Iran's Revolutionary Guards | Council on Foreign Relations
  4. The Guardian Council | Iran Data Portal
  5. Background: Role of the Supreme Leader | UANI
  6. „Frau, Leben, Freiheit“ - The Political Opinion - Konrad-Adenauer-Stiftung
  7. Iran ranks 2nd, 3rd in gas, oil reserves in world - IRNA English
  8. Protest movements in Iran signal growing need for change - GIS Reports
  9. Strait of Hormuz | Crisis Group
  10. Oil prices rise 3% after Iran launches missiles at Israel | Reuters
  11. Strait of Hormuz - Factsheet
  12. Oil prices rise 3% after Iran launches missiles at Israel | Reuters
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